Botschaft als Passagepunkt zur Arbeit

Ein aktiver Aufenthalt in Singapur kann eigentlich nur mit Arbeit zusammenhängen. Zwar gibt es wohl auch die Möglichkeit zu surfen oder im Vergnügungspark beschäftigt zu werden, auf kurz oder lang scheint jedoch nur eines zu integrieren in einer leistungsorientierten Gesellschaft wie dieser: Arbeit.

Training Employment Pass

Insofern habe ich einen Praktikumsplatz gesucht und gefunden. Um diesen nun zu nutzen, gilt es jedoch mein Touristenvisum upzugraden. Eine Art Greencard wird vielleicht, nach der gründlichen Überprüfung einiger wichtig aussehender und aufwändig hergestellter Dokumenten ausgehändigt.

Diese zwingen den Akteur zu einigen Umwegen. Vom direkten Ansatz beim MOM (Ministry of Manpower – in Singapur wird meist ohne Erklärung die Abkürzung verwendet), das eigentlich gleich um die Ecke liegt, die Tür persönlich einzurennen wird abgeraten. Besser über Institutionen heißt es. Die Konrad-Adenauer-Stiftung, meine künftige Praktikumsstelle wird sich darum bemühen.

Allerdings benötigt sie dafür noch: Pass, zwei Passfotos, Bestätigungen meiner Uni, dass ich ordentlicher Student bin und Leistungsnachweise. Diese Zutaten sollten im Idealfall authentifiziert sein durch Stempel von mächtigen Akteuren. Die Deutsche Botschaft ist der in meinem Fall adäquate Ansprechpartner dafür.

Nachdem ich alle Unterlagen von Uni und aus meinem persönlichen Schatz der Echtheit (Photo, Pass) zusammengetragen habe, muss ich noch Kopien anfertigen und drucken, bevor ich mich zur Botschaft begeben kann.

Produktion im Ungewissen

Dies führt mich in die klimatisierten Tiefen von Chinatown und lässt mich trotz profunder PC-Kenntnisse ziemlich blöd aussehen, als plötzlich alles in chinesisch auf dem Monitor erscheint.

Mit Hilfe der Dame am Tresen als Übesetzerin schaffe ich es die Daten von meinem Handy auf den Computer und zum Drucker zu delegieren. Glücklich nehme ich das Stück bedrucktes Papier mit in die MRT (Mass Rapid Transit oder einfach U-Bahn) – ein Fehler wie sich auf dem Rückweg herausstellt, da die unterirdischen Gänge zur U-Bahn, beim Umsteigen und beim Aussteigen mindestens so lang sind, wie der Fußweg von Chinatown zum Raffles Place 50.

Aber ohne Landkarte und mit Klimaanlage im Untergrund gerate ich wenigstens mit meiner förmlich langen Hose weniger ins Schwitzen. Die knappe Öffnungszeit von 9:30-12.30 Uhr kann ich zudem einhalten.

Identifikation der Botschaft

Endlich wieder am Tageslicht, einige Kilometer weiter am Raffles Place angelangt, ragen bizarr massive Glas-Stahl-Beton-Ungetüme in den Himmel. Hilflos trotz artifizieller Umgebung frage ich eine Passantin, wo denn der Singapore Land Tower sei, um nicht mehrmals kreuz und quer über den gestreckten Platz rennen zu müssen – ohne schlauer zu werden, da Hausnummern spärlich und Hausnamen im freien Stil gehängt wurden.

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Hoch formalisiert muss ich mich als Auswärtiger des Bürogebäudes wie gewöhnlich an der Information anmelden. Die Schlangenrichtung ist sicherlich vorgegeben wie auch der Ausgang, der nur an der rechten Tür – von innen gesehen – gewährt wird.

Im zwölften Stock angekommen, kann ich leider kein schönes Foto von der Umgebung machen, weil der öffentlich zugängliche Bereich fern von den Fenstern ist. Der Raumangabe entsprechend – 00 -komme ich zunächst am Klo vorbei.

Am Ende des Ganges sehe ich Sicherheitsmaßnahmen, die mich anlocken. Ein Wachmann begrüßt mich mit einem Flughafenmetalldetektor und einer Taschenkontrolle. Er weist mir den Weg zu den Konsularangelegenheiten und merkt an, dass ich ein Ticket ziehen muss.

Schnittstelle Deutschland

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Eine Mitarbeiterin berät die Leute hinter einer Glasscheibe, in der Mitte steht ein Pult, an dem Formulare ausgefüllt werden können. Ein Ständer wird während der Wartezeit von einer Mitarbeiterin mit neuen Infomaterialien bestückt. Ein abgegrenzter Raum ist für Passanträge. Irgendwie fühle ich mich wie beim Arzt in diesem Zimmer. Die dick verglasten Schnittstellen zu den Akteuren auf der anderen Seite legen jedoch eine Bank oder gar ein Gefängnis als Metapher näher. Fraglich ist nur, wer die gefangenen sind.

Der Kontakt zu Deutschland schaut durch diese Scheiben allerdings, von Singapur gesehen, sehr schwierig aus.

Als ich als vorletzter vor Zapfenstreich – nach einer guten halben Stunde für fünf vorhergehende Antragsteller und Informationsbedürftige – an der Reihe bin, erkenne ich die eigenartige Vorgehensweise. Die Dame hinter dem Tresen nimmt die Sachen entgegen und kritisiert diese. Ich verweise auf den vorangegangenen E-Mailkontakt mit einer Mitarbeiterin, wodurch meine Dokumente einen Passagepunkt weiter kommen. Sie dringen in die für mich unsichtbaren Tiefen der deutschen Institution ein.

Die Kritik vom Anfang wird konkretisiert und ich muss morgen wiederkommen, nachdem ich nachgebessert habe. Diesmal laufe ich am Singapur River entlang und treffe auf einen Vogel: Genug der Kunst.

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