Die Akteur-Netzwerk-Theorien in der Politik des Netzes

Dieser Artikel verortet die Akteur-Netzwerk-Theorie – durch Lektüre und diesen resultierenden Artikel – in Werken, in denen sie nicht explizit existiert. Er beginnt mit einer Metapher, die Journalisten dekonstruiert. Im Verlauf des Textes werden sie im Kontext des Web 2.0 international rekonstruiert.

Ein Myspace-Video verkürzt die Diskussion über die Symmetrie von Menschen und Nichtmenschen – oder zumindest übersetzt es diese audiovisuell. Es handelt von einer – leicht manipulierten – Version einer Gesprächsrunde von so genannten seriösen Journalisten. Sie hat eine Rede zum Thema, in der es um die Macht der Roboter geht, die diesen zunehmend von den Menschen verliehen wird.

Ein Reporter wird letztlich als Roboter entlarvt durch einen Breakdown ala Alien. So spiegeln sich Diskussionen in der Öffentlichkeit der alten Medien im Web 2.0. Das ist also die Spiegelung der Spiegelung, womit wir im Spiegellabyrinth wären. Dieses ist gleichbedeutend mit der reziproken Veränderung der – digitalen und analogen – Akteure durch Networking. Eine Veränderung, die im Prinzip aus einem gegenseitigen Sinngebungsprozess in einem volatilen Netzwerk resultiert. Deutlich wird hier, dass bereits der schlichte (Medien-)Bericht über die Rede jenseits des Menschlichen zu verorten ist. Sich in einem Labyrinth gefüllt mit reziproken Spiegelungen zu behaupten ist die Politik des Netzes – doch wer/was dominiert sie?

Der zeitgenössische Journalist bedient sich zwar noch keiner Roboter aber die Anzahl der von ihm mobilisierten Nichtmenschen ist massiv. Sehen Sie sich einfach einen öffentlich rechtlichen Sender an und Sie wissen was ich meine. Wie massiv deren Mobilisierung heute etwa in Asien ist, zeigt dieser Text im Folgenden anhand zweier Beispiele, die ein anderer Text aufzeichnete.

STOMP – Straits Times Online, Mobile und Print

Ein anderes – seriöseres – Beispiel der Politik des Netzes stammt auch aus den Medien. Die Politik des Netzes – das heißt der reinskribierten Gesellschaft – wird diesmal durch die neue Form des benutzerfreundlichen Internets generiert. Die größte Zeitung Singapurs, die in enger Beziehung zu der seit Jahrzehnten führenden Partei PAP steht, die für ihre konservative Marschrichtung bekannt ist, gibt dabei dem Volk das Wort, das Sprachrohr.

Auf der social-networking Seite und Plattform für alternativen oder zivilen Journalismus STOMP lassen sich die Auswirkungen des Web 2.0 auf die unterschiedlichen Gemüter in Singapur nachvollziehen. Auf diese Seite können per Handy über die Nummer 75557 Photos hoch geladen werden. Breaking News geht nun über das Handy statt über Internet.

Die Redaktion schreibt kurz etwas dazu und zitiert die Nachricht, mit der die Photos eingeschickt werden – es handelt sich also um ein von den alten Funktionären kontrolliertes Sprachrohr. Wenige Geschichten oder Photos haben es auf die Frontseite der Printversionen geschafft. Laut dem Buch Asia´s Media Innovators von Stephen Quinn generierte die Seite 3-4 Bilder, die tatsächlich Nachrichtenwert haben.

Die Networking Plattformen haben insofern eine neue Art der Mutlimediaerzählung mit sich gebracht, die in Richtung „echtes“ Reality TV geht. Die Berichterstattung über soziale Belange erhält Einzug in die Massenmedien, d.h. was Soziologen früher mühevoll an den Tag förderten wird nun von den Akteuren hoch geladen, nachdem die Fernsehsender Laboratorien des Sozialen mit Werbeblocks populär machten.

Soh der deputy editor for digital media bei The Straits Times nähert die Essenz der News an die Prinzipien von Hegarty an, indem er laut Quinn sagt: „But we look for fresh ideas because you have to break rules when it comes to mutimedia storytelling. You have to have an edge, an attitude.“

Genau diese Einstellungen prallen beim networking der „citizen journalists“ aufeinander und entfalten sich in den Kommentaren oder in Foren – welche jenen der Reality Shows ähneln. Ein Netzwerk aus Neuigkeiten und Hinterfragung der Ursache, warum dieses oder jenes eine Neuigkeit sei, entsteht. Ein Blatt vor den Mund nehmen dabei die Wenigsten – weshalb die ein oder andere Plattform unter der Meinungsfreiheit sogar leidet, wie Quinn schreibt. Meinungen sind nicht zwangsläufig massenkompatibel. Doch auch dafür gibt es eine Lösung.

Ohmy News als Paradebeispiel

Der Gründer Oh Yeon-ho von Ohmy News startete sein Portal durch eine neue Übersetzung von öffentlicher Information: „every citizen is a reporter„. Diese emergierte laut Quinn während Jahren der Frustration. Eine Frustration, die dem Umstand geschuldet ist, an Nachrichtenquellen innerhalb der Regierung zu gelangen. Nach einem Entwurf für ein Start-up in den Neuen Medien innerhalb der Uni Virginia in USA konnte er 1998 fünf Geschäftsleute von seiner Idee überzeugen. Durch dieses Networking konnte eine Idee in einem – relativ gesättigten – Netzwerk integriert werden.

Bis zu den Meinungsführern hat sich das Portal in dem – mit 120 Zeitungen und einer ähnlichen Anzahl von TV-Sendern – komplizierten Medienbereich Koreas vernetzt. Die Generation der studentischen Aufwiegler, die Mitte der 80er die Diktatur abschafften und nun als Wirtschftsbosse agiert, nimmt die neue Form der Information gut auf. Ganz im Einklang damit war die Idee hinter dem Geschäftsmodell nicht Geld zu verdienen, sondern die Gesellschaft zu ändern.

Den Erfolg rechnet Oh nicht einer neuen Technologie an, sondern der Liebe. Einer endlosen Liebe der Leute für ihr desolates Vaterland. Journalisten definiert Oh folgendermaßen: Jeder, der neue Entwicklungen aufnimmt und über sie schreibt, sowie dies mit anderen teilt. 2006 wurde er zu einem der 15 beispielhaften TIME-Netizens. Die Idee wird seit 2007 auch in englisch realisiert und erhielt 2006 einen Klon in Japan.

Für Networking über Finanzen ist der Zusatz von Quinn bemerkenswert, dass Softbank Venture Kapital für Ohms Japangeschäft bereitstellt. Softbank ist dort Eigentümer von Yahoo!. Es sei nur am Rande bemerkt, dass der Chief Executive Officer ein in Japan lebender Koreaner ist.

Ganz im Sinne des traditionellen Networking treffen sich seit 2005 Reporter aus 50 Nationen zum internationalen citizen journalists´ forum in Seoul. Sie sind aktiver Teil der Übersetzung des Publikums von „eyeballs“ zu „stakeholdern“, d.h. von empfangenden Werbekontakten zu agierenden Akteuren.

Der Werbeaspekt muss noch einmal genauer reflektiert werden. Dieses zivile Nachrichten-Networking hat den Vorteil, dass es weniger von Einnahmen abhängig sein kann als traditionelle Medien. Wo es früher der Staat war wie in Diktaturen oder in China, ist es zunehmend die Abhängigkeit von Geldgebern, die seriösen und unabhängigen Journalismus – sofern es ihn jemals gab – erschwert. Nicht von ungefähr heißt das Buch über Rupert Murdoch „The Man Who Owns the News„.

Sind die Rettung publikumsfinanzierte Medien oder ein Networking des werbe- und publikumsfinanzierten Ansatzes wie bei den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland?

Die Glaubwürdigkeit des Nachrichten-Networkings aus den so genannten Grassroots ist den gleichen Vertrauensproblemen wie andere Internetangebote unterworfen. Die Authentifizierung der Reporter ist deshalb ein zentraler Punkt für die Glaubwürdigkeit des Netzwerkes. Ohmy News verwendet einen vom Staat gesponserten Authentifizierungsprozess sowie einen „Code of ethics„. Ein wichtiger Networker und ein Vertrauensbildner ist der Button „Contact Reporter“, durch den das Publikum mit dem Autor in Kontakt treten kann.

Niemand sollte die Medien dominieren dürfen, ist ein Grundsatz in der Philosophie der Unternehmung. Eine natürliche Gegebenheit eines Akteur-Netzwerkes. Der Kampf um die Verknüpfung zu zentralen Punkten im Netzwerk, um es zu dominieren. Eine Bestrebung die als Konvergenz beschrieben werden kann und die zur altbekannten Zentralisierung und zur mit ihr verbundenen, hierarchischen Machtausübung führt.

Ebenso wie ein Prinzip des Networkings, das gelegentlich angeführt wird, um Networking als nachhaltig zu etablieren: Niemand hat das Recht Leute ausnutzen. Der unausgesprochene Imperativ der nachhalltigen Beziehung verlangt, dass einer Leistung eine Gegenleistung folgt – relativ bleibt, was angemessen ist.

OhmyNews Reporter verdienen zwischen 2-50 $ pro Story, womit bei dem Ein oder Anderen bis zu 1300$ in einem halben Jahr zustande kämen. Das läge bereits über dem Jahreseinkommen von vielen. Hinzukommen Angebote zu Buchveröffentlichung für gute Schreiber. So wird der Erfolg solcher Geschäftsideen insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen besonders wahrscheinlich.

Das Networking der Citizen Journalists innerhalb einer Plattform – eines zentralen Marktplatzes – führe zu einem Wettbewerb, der anhand von Kommentaren in einer Rangliste abgebildet werden kann. Die resultierende Konzentration und Güte führe zu höheren Besucherzahlen als bei Blogs, schreibt Quinn.

Networking und Technologie

Folgen wir Quinn weiter auf seiner Reise durch Südkorea, sprechen wir mit Dr Eugene Pak, dem Vizepräsidenten von Samsung, der für das „Chief Technology Office“ verantwortlich ist. Mit seinen Worten, lässt sich digitale Konvergenz in Netzwerkkonvergenz übersetzen – eine Mischung von Sprachdiensten mit Rundfunk und kabellosen Geräten. Dies führt zu hochgradiger Personalisierung. Letztlich ist es nahtloses Networking von Nichtmenschen, die sich um einen Menschen gruppieren lassen, ohne ihm das Gefühl des Eingesperrtseins zu vermitteln.

Min der Direktor von OhmyNews International erkennt ganze Gemeinschaften oder Communites, die online gehen. Seines Erachtens überlappt Cyber Space den physikalischen Raum. Handys, Kameras und kabelloses Breitband sind seine Beispiele dafür. Eine Entwicklung, welche die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) seit Langem proklamiert und nicht nur im digitalen Wandel erkennt.

Mins Satz: „Your chair will talk to you“ (Zitiert nach Quinn, Asia´s Media Innovators) ist für Soziologen der ANT ganz normal. Dies ist der Ort, an dem die Fallstudien die Quinn in seiner Publikation vorstellt, sich offensichtlich mit der Forschung der ANT überkreuzen. Sie ließen sich hervorragend in den Kontext der ANT als Anteil der Kontroverse Medien-Technik-Politik übersetzen und spiegelten die Stimme der Medien teils mit ihren Ingenieuren wieder.

Die Politik des Netzes

Das eine greift ins andere. Politische Parteien betreiben Blogs, Politiker finden in Social-Networking-Plattformen Freunde und Nonprofits können hier wie da Fundraising betreiben. Das Gleiche gilt für diesen Text.

Aus Ressourcenmangel kann ich nicht alle Stimmen selbst einfangen. Dieser Text zeigt – indem er eine Theorie mit Studien verbindet, die von einander scheinbar nichts wissen -, wie Networking im Text funktioniert. Dabei wird verdeutlicht, wie nahe Networking der Grassroots an den Medienbereich, insbesondere durch die Konvergenz dank Digitalisierung, gerückt ist.

Die Politik des Netzes reflektiert also Networking. Sie ist der Imperativ zur Spiegelung. Dieser bezeichnet die Notwendigkeit der Repräsentation durch Referenz. Wodurch die zwangsläufige Kooperation von Menschen und Nichtmenschen mehr als deutlich werden dürfte.

Die Medien sind politisch, das Politische ist medial und der Markt vernetzt die Wirtschaft mit beidem. Wobei die Wirtschaft ebenso medial wie politisch ist. Wir sind alle Teil des Netzwerkes, nur unterschiedlich aktiv oder kontextualisiert. So wird die Politik des Netzes im Prinzip lediglich von der Zirkulation dominiert. Wobei die Zirkulation in – reziprok iterierten Kontexten oder – Netzwerken sicherlich durch Akteure mit teilweise materialisierten Strukturen  in relativ stabilen Bahnen läuft.

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1 Kommentar

  1. […] Wie networken Journalisten? Eine kurze Untersuchung dieser Frage förderte zunächst folgende Treffer zutage. Sie verweisen nicht nach Asien. […]


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