Rawa in Malaysia als Paradies für Singapurexpats

Das schöne am urbanen Netzwerk Singapurs ist der urwaldige und meerische Kontext. Ein Wochenende kann eine Auszeit im Paradies bedeuten. Das dachten sich scheinbar mehrere Singapuris. Über Ostern waren alle Inseln in der Nähe – in 1 bis zwei Stunden mit dem Schiff erreichbar – mit Stränden, die an saubereres Wasser als vor Singapur grenzen, schon ausgebucht. Wir mussten als wieder über die Grenze.

Diesmal nutzen wir den Landweg. Auf der Hinfahrt gab es keine Probleme. Es war ca. 2:30 Uhr in der Nacht: Keine Staus, außer für Motorradfahrer, die in einer ca. 1 km langen Schlange mit einem Hupkonzert Unmut kundtaten.

Nach dem wir von einem Singapurischen Taxi nach Queensstreet gebracht wurden, Stiegen wir dort in ein anderes Taxi ein. Das in Queensstreet abfahrende Taxi darf nach Malaysia einreisen, jedoch nur an einer Stelle in Malaysia Leute aussteigen lassen. Umgekehrt gilt das gleiche für malaysische Taxis. Von diesem Ort fuhren wir zum Busbahnhof.

Im Prinzip eine Vergrößerung des Taxiumsteigeplatzes. Viele Leute warteten bereits auf Bänken. Taxifahrer standen in einer Schlange und einer fragte direkt, ob wir nach Mersing fahren wollten. Wir bejahten, erfragten den Preis und wollten uns dann doch lieber noch nach einem Busticket umsehen.

Als neutraler und kompetenter Ansprechpartner kam der Wirt im einzigen geöffneten Schnellrestaurant am gelegensten. Er meinte, dass der erste Bus erst um 6-7 Uhr fahren würde. Wir fragten einen anderen Taxifahrer, der unser Gespräch interessiert verfolgt hatte, der aber den gleichen Preis wie der andere wollte.

Der erste Fahrer kam dazu und riet uns Wasser zu kaufen, da es auf den Inseln sehr teuer sei. Er sprach mit dem anderen Fahrer und dieser meinte daraufhin, dass der erste der einzige Fahrer sei, der noch nach Mersing führe.

Um die Motivation und die Laune nicht weiter zu drücken, verblieben wir bei dem anfangs verhandelten Preis von 140 RM. Laut unseren Recherchen waren dies 40 RM oder 8 Euro mehr als normal – aber es war eben nachts und unsere Verhandlungsbasis nicht die Beste.

Während der Fahrt, die standardmäßig ohne Gurte auf der Rückbank stattfindet, unterhielt ich den Taxifahrer – eine Gängige Praxis, um ihn vor dem einschlafen oder zu hoher Geschwindigkeit abzuhalten, wie ich auf Rawa von anderen erfuhr. Er meinte, dass Diebstahl und Schießereien in Malaysia an der Tagesordnung wären, weil zu viele Leute Waffen hätten.

Dennoch schienen ihn Waffen zu interessieren, er war von deutschen Panzern begeistert, hatte jedoch keinen Militärdienst geleistet. Hitler, meinte er, sei ein starker Mann gewesen, woraufhin ich ihm vehement widersprach und auf den Holocaust hinwies. Wir passierten eine Polizeikontrolle, fuhren Slalom durch eine abenteuerlich abgesicherte Straße mit massiven Schlaglöchern, und durchquerten Regen und Nebel. Etwa 150 km später kamen wir am Fährhafen zu den Inseln Tioman Rawa usw. an, es war etwa 6 Uhr.

Verhältnismäßig viele Kaukasier – die eigenartige rassische Bezeichnung für Europäer, die ich bei dem Arbeitsantrag in Singapur kennen lernte – waren hier bereits unterwegs. Die erste Fähre nach Tioman legt etwa um 7Uhr ab. Für eine Fahrt zur näher gelegenen Insel Rawa müssten pro Person zwei Tickets gelöst werden erklärten uns die Frauen mit traditionellem islamischem Kopftuch.

Das wären 18 € pro Person, was uns zu teuer war, da wir eine kostenlose Fähre vom Resort in Rawa inklusive hatten, die aber erst um 9 Uhr ablegte. Wir gingen zum Foodcourt nebenan, um uns die Zeit zu vertreiben. Das Essen wollten wir nicht unbedingt probieren, die Küchen sahen nicht sonderlich vertrauenserweckend aus und auf dem Weg zu den Toiletten lag eine kleine tote Katze neben einem Mülleimer. Wir tranken Tee und ich probierte ein abgepacktes, unglaublich seltsam schmeckendes Sardinenteilchen, das mir den Hunger erfolgreich vertrieb.

Eine weitere Fähragentur, die schon geöffnet hatte fanden wir hier und erkundigten uns abermals nach dem Preis. Die Frau wählte einige Nummern und ließ es länger klingeln – es war noch zu früh. Sie sagte uns einen Preis von 250 RM, bzw. 50 € für das chartern eines Bootes.

Als langsam die Sonne aufging schlenderten wir den Strand unterhalb der Moschee entlang. Erstaunlich viele Leute joggten oder bewegten sich in Gruppen zu einer Stimme mit Musik aus einem krächzenden Radio. Der Ort erweckte ein wenig den Eindruck vom Ende der Welt. Einerseits schien die Zeit stehen geblieben zu sein andererseits sammelte sich die moderne Welt am Strand in Form von Müll. Hier und da standen junge Leute oder saßen im Auto und verfolgten den Sonnenaufgang.

Mit den ersten Sonnenstrahlen wurde es unheimlich schwül. Bis wir wieder bei der Fährstation, diesmal der von Rawa Safaris angelangt waren, verging eine gute Stunde. Auch dort wurden wir von einer Frau in traditionellem Gewand bedient. Von der Wand beäugten uns die Fürsten und Fürstinnen des Landes in Militäruniform oder im prachtvollen Kleid.

Mit dem Schnellboot setzten wir in einer halben Stunde zur Insel über. Die Reise hatte sich gelohnt: Strand, Palmen, Urwald und excellentes Essen. Der Einfluss der Moschee nahm über das Meer stark ab, Kopftücher waren hier nicht an der Tagesordnung. Es wurde überwiegend Englisch, Französisch und Deutsch gesprochen – was allerdings etwas seltsam war. Beim Mittagessen trafen wir auf Freunde einer Freundin, die uns allen die Insel empfohlen hatte.

Die Welt ist klein.

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