Open Source Video – Freiheit vs. Gefangenschaft

Die Plattformen zum Teilen von Videomaterial erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Medienunternehmen aller Art mischen mit. Es gibt die verschiedensten Modelle zur Finanzierung der Seiten und Entlohnung der Inhaltsproduzenten von Metacafe über sevenload bis You Toube und Vod Pod.

Aber sind sie wirklich frei? Wie bearbeiten die Leute oder civil journalists eigentlich diesen Inhalt? Das gibt Anlass zu einer kurzen Recherche im Netz.

Freie Software wurde bereits definiert und diese Definition wieder spricht den Grundsätzen der meisten Hersteller, allen voran Apple (dummerweise benutze ich diesen preskriptiven Akteur). GNU bietet verschiedene Zusammenstellungen an, bei denen der interessierte sich kostenlose Software aussuchen kann. Die UNESCO ist ebenfalls daran beteiligt etwa im Free Software Directory FSD zusammen mit der Free Software Foundation.

Alle Macht dem User oder Nutzer, um den Beschränkungen der Möglichkeiten des Modells Eigentum zu begegnen schreibt sich Organisationen wie EngageMedia.org und Transmission.cc. Das Ziel ist:

Transmission is a network of citizen journalists, video makers, artists, researchers, programmers and web producers who are developing online video distribution tools for social justice and media democracy. Our objective is to make independent online video distribution possible (using FLOSS) by building the necessary tools, standards, documentation and social networks.“

Eine Alternative zu You Toube wird von der offenen Seite der Software engagierten angeboten unter dem Namen Plumi. Eng damit verbunden ist der Ansatz der Creative Commons oder der Open Content Licence. Ein Projekt der Uni Siegen hat diese Idee aufgegriffen und wird inzwischen mit Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft und Technologie, der EU betrieben unter dem Namen Culture Load.

Eine kritische Stimme von Robin ‚Roblimo‘ Miller auf Linux bringt folgenden auch für Networking interessanten Aspekt in den Diskurs um digitalen Videoschnitt und Open Source ein:

„When you’re in the cost-competitive business of making corporate videos, often derisively called ‚industrials‘ by broadcast people, production speed (efficient workflow) means the difference between success and bankruptcy. Come to think of it, workflow is just as important in the broadcast world, where the hackneyed phrase, ‚film at eleven,‘ means your work must be ready to run when the news show starts no matter what.“

Eine implizite Anklage schwingt hier mit. Als günstigste Alternative zur problembehafteten freien Software gibt Roblimo für Windows Sony Vegas (inzwischen in neuer Auflage in Version Acht, bzw. als Movie Studio für unter 1oo Euro in verschiedenen Versionen erhältlich) und Final Cut (abgespeckte Version FC Express für ca. 200 Euro) für Apples OSX. Beide geben die Möglichkeit des Livemitschnittes. Meinen Informationen entsprechend, sind sie insofern Adobes Premiere überlegen.

Die Zeitschrift Videomaker vom Dezember 2008 gibt mit VideoStudio Pro X2 für Windows-Nutzer eine laut Test brauchbare Alternative im Low-End-Bereich von Corel, die unter 100 Euro zu haben ist. Die Distribution der Filme über YouToube wird von dem Programm standardmäßig unterstützt.

Eine quasi kostenlose alternative für Windowsbesitzer ist der Moviemaker der eine abgespeckte, bzw. alte Version von Sonys Vegas sein soll. Für Macnutzer heißt das Pendant iMovie – ist aber mit Final Cut nicht ernsthaft vergleichbar und hat meines Wissens in seiner neuesten Version keine Timeline mehr.

Den Akteuren die durch ihr Betriebssystem ‚locked in‘ sind, wird Videobearbeitung somit möglichst einfach gemacht, ein Phänomen, das ich mit kohäsivem Networking beschreibe. Bei dem die Netzwerke Akteure aktiv locken und binden.

Eine kurze Anleitung von Roblimo, die die Komplexität der audiovisuellen Angelegenheit zeigt:

  1. Capture video from video camera.
  2. Break captured video into separate clips (an automatic procedure).
  3. Choose clips to use in final video; choose sections of some clips instead of using their full length.
  4. Place clips on timeline in rough order.
  5. Select background music and sound effects.
  6. Place live video/audio in final order. At this point video and audio are often treated separately, i.e. speakers‘ voices may not necessarily be used solely with images of the speaker but may have those images replaced by images of the person, place or thing the speaker is describing.
  7. Sound levels set on timeline, including fades; removal of hisses or other unwanted noises from live sound.
  8. Color correction if/as needed.
  9. Tweak video clip lengths, align with soundtrack, insert transitions.
  10. Add titles and possibly more sound effects.
  11. Last look-over, more adjustments if needed.
  12. Render in chosen output file format

Eine lange Diskussion schließt sich an. FLOSS erhält eine gute Rezession von dem Kommentator Leos im Kontext Brasiliens, wo es gar als Alternative zu dem Einkanalfernsehen brasilianischer Herkunft eingestuft wird und sozusagen liberalisierende Entwicklungsarbeit durch Regierungsunterstützung in Sachen Hardwarebereitstellung leistet.

Anonymus kritisiert die fehlende Zusammenarbeit von Filmmachern und Programmierern, die zu den unbefriedigenden Lösungen im Open Source Bereich führt:

„Summing up all the work that has been spent in Kino, LiVES, Cinelerra, Jahshaka, AviSynth, Virtualdub together, this application could exist but it doesnt. Instead there are a bunch of unstable compositing / editing hybrids with ugly user interfaces which are not usable. thats a little sad.“

Die stringente Arbeitsweise, die häufig mit materialisiertem Networking – d.h. einem Gebäude in dem eine oder mehrere Firmen zusammenarbeiten – im proprietären Modell erweist sich insofern im Hinblick auf komplexe Problemstellungen als effizienter.

Dennoch schließen sich weltweit Akteure zusammen um genau das Gegenteil zu tun. Wie engage media beschreibt trafen sich im Juni 2006 Akteure aus Korea, Australien, Argentinien, USA, Malaysia und mehreren europäischen Staaten zum Networking.

„Those projects included among others

  • creating a common meta-data standard to allow greater sharing of content between projects
  • a wiki based common documentation repository where organisations could work together to create open content licensed tutorials on online video
  • closer collaboration on some of the CMSs currently in use
  • a global database of video screening organisations
  • development of a collaborative subtitles and translation tool
  • the development of tools to facilitate the uptake of free software codecs“

Die Idee des weltweiten online Aktivismus für eine freiere Welt geht laut engagemedia weiter und steht doch erst am Anfang:

„The explosion of user generated content is a major crack in the passivity that has been fostered by both governments, media, political parties and business over the last 100 years. The one-to-many model is being usurped by the many-to-many, the masses are replaced by the network, command by collaboration.“

Ein weiteres Networking, das dieser Idee folgt, ergibt eine Sammlung, die durch ein Symposium entstand mit dem Namen codingcultures. Sie widmet sich städtischen und ländlichen Gemeinschaften bei ihrem digitalen Geschichtenerzählen. Ein freies Handbuch wurde zu diesem Zweck erstellt. Die Projektpartner des Affronts gegen die Eigentumsmedien waren übrigens British Council, Campbelltowncitycouncil mit den Gründungspartnern Australian Government, Australian Council, Arts nsw und New South Wales Film and Television Office.

Das ergibt ein Szenario der Politik und Gemeinschaft gegen die Wirtschaft mit dem Ziel der Meinungsfreiheit: „The Coding Cultures Symposium was designed to get people up to speed and networked into the latest in community based media practices and cultures.“ Ist das nicht ein Widerspruch – Politik und Meinungsfreiheit? Es kommt dabei auf die Organisationsform des politischen Netzwerkes an. Im Gegensatz etwa zu liberalen Ansätzen im Westen steht in China die Wirtschaft eher für eine Öffnung der restriktiven Kommunikationspraktiken der Medien und Presse, die wegen zunehmender Konkurrenz und weniger roten Briefen angeblich auch regierungskritischer schreibt.

Wie networkt die deutsche Community oder haben die Bürger dank Volksbegehren inzwischen genügend politische Macht, dass Meinungsfreiheit und Systemgebundenheit ohnehin kein Thema ist?

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3 Kommentare

  1. […] ãã¤ããQãåã®ã³&ati… wrote an interesting post today onHere’s a quick excerpt Die Plattformen zum Teilen von Videomaterial erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Medienunternehmen aller Art mischen mit. Es gibt die verschiedensten Modelle zur Finanzierung der Seiten und Entlohnung der Inhaltsproduzenten von Metacafe über sevenload bis You Toube und Vod Pod. Aber sind sie wirklich frei? Wie bearbeiten die Leute oder civil journalists eigentlich diesen Inhalt? Das gibt Anlass zu einer kurzen Recherche im Netz. Freie Software wurde bereits definiert und diese Definition […]

  2. […] zugunsten des Themas – Networking – dieses Blogs erlaubt, der an anderer Stelle bereits seine Open Source suchte. Der Eintritt des professionellen Videoschnitts in den Haushalt wird über die abgespeckte […]

  3. […] immer schön auf die Freiheit achten. Auch wenn der Weg der Freiheit auf den ersten Blick sehr komplex erscheinen mag – etwa eine neue […]


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