„Locating Media/Situierte Medien“ und Networking

Jenseits des Networkings wird der Titel eines neuen Forschungsprojekts an der Uni Siegen referenziert. Dieses sucht nach Aspiranten, die in einem transdisziplinären Netzwerk forschen wollen. Kohäsives Networking in der hier gewählten Terminologie. Das ambitionierte Projekt vernetzt sieben verschiedene Bereiche und steht gegen den Trend der Enträumlichung durch insbesondere digitale Medien.

Da die Beschreibung des Projektes sehr komplex ist, habe ich mir die Zeit genommen eine kurze Zusammenfassung der – so zu sagen – Zusammenfassung des Literaturverzeichnisses zu posten.

Dieser Blog und die im Kontext der damit verbundenen Arbeit gewonnenen Erkenntnisse nehmen einen Teil des Projektes bereits vorweg, sofern es wie angekündigt „zu einer Reterritorialisierung der Diskurse im Kontext des digitalen Medienumbruchs“ beiträgt und insbesondere „die Aufmerksamkeit auf die Situationen des Mediengebrauchs“ lenkt. Hinzu kommt, dass die „als Skandal“ konstatierte „Überschneidung von ‚Subjekt‘ und ‚Objekt‘“ hier bereits Praxis ist. (Methoden) Eine weitere Parallele liegt in der Polysemie. Der Begriff Networking wird hier mindestens zweideutig genutzt. Im Forschungsprojekt sollen situierte Medien ebenso einen Doppelsinn haben und einerseits Phänomene wie das „Mapping von Kommunikationen“, dem „Geo-spatial Web“ oder der „Laienkartographie auf der Basis von Geobrowsern“ (die sie hier rechts sehen) einbeziehen. Andererseits werden „medial erzeugten Geographien“ und die mobile „Lokalisierung des Mediennutzers auf der Basis lokal genutzter, aber global positionsbestimmender Medien“ untersucht, um die Implikationen der globalen Mediatisierung des lokalen Daseins zu klären.

Die Methoden des Projektes überschneiden sich mit den hier gewählten. Es handelt sich um teilnehmende Beobachtung, mündliche Untersuchung und „schriftliche und audiovisuelle Korpuserstellung und schriftliche Auswertung der ethnographischen Arbeit“. Dabei werden Mikro-Analysen erstellt und größere Prozesse rekonstruiert. Qualitative und Quantitative Methoden werden in einem Networking verwendet, d.h. entsprechende Spezialisten arbeiten zusammen. Erstere dienen im volatilen Umfeld der digitalen Medien mit nicht „vorgefertigten Untersuchungseinheiten“ zur Erkenntnis von Entwicklungen und Eigenschaften des Untersuchungsgegenstandes. Letztere dienen dabei den „kulturellen Alltag von Medien, soziale und soziotechnische Rhythmen und ihre räumliche Anordnung, und die biographischen Zyklen von Personen, Artefakten, Waren und Medien zu rekonstruieren“

„Die Aufgabe einer methodischen Klärung der kulturwissenschaftlichen Forschungen wird durch die aktuelle Medienentwicklung und ihre ständige Wechselwirkung zwischen virtuellen und realen Räumen um so dringender: etwa durch die Kolonisierung virtueller Räume mit künstlichen Lokalitäten und durch die Rückwirkung der Ortungsverfahren von satellitenbasierten Technologien und Sensorsystemen auf die Planung und Bewohnbarkeit von Orten“.

Eine Ausweitung der Orts- und situationsbezogene Medienforschungen wird explizit angestrebt und historisch begründet. Die Disziplinen betreiben demnach seit Urzeiten Networking zwischen In- und Ausland, sowie zwischen den Entwicklungsstufen von Gesellschaften. Das Missing Link oder viel mehr der Networker zwischen soziologischen und ethographischen Bereichen sind die seit dreißig Jahren reifenden „Laborethnographien“ von Akteuren wie Latour. Demnach fallen die „Darstellung der sozialen und kulturellen Aushandlungsprozesse (…) mit einer Charakterisierung und Theoretisierung der Medien dieser (schriftlichen, mündlichen, visuellen und digitalisierten) Aushandlungsprozesse zusammen“.

Drei wissenschaftliche Bereiche und ein transzendierender Ausblick werden bei der Onlinevorstellung des Projektes detaillierter beschrieben:

  1. Linguistische Forschungsfelder befassen sich mit einerseits „räumliche(r) Einbettung sozialer Interaktion“. Diese wird unterteilt in (a) die „physikalischen Strukturen vorgängiger Räumlichkeit“ bei denen die Präskriptionen des Settings betrachtet werden können und (b) Aushandlungsprozesse in Bezug auf einen Interaktionsraum, bzw. ein materialisiertes Networking. Andererseits wird die Kontextgebundenheit oder die Herstellung von Ordnung durch – kurz – Networking betrachtet. Ferner handelt es sich um das „Konzept der Diskursgemeinschaft (discourse community)“. Methoden sind Konversationsanalyse, Audioaufzeichnungen sowie die Ausweitung auf Parasprachliches mittels audiovisuellen Aufzeichnungen, Workplace Studies und soziotechnisches Networking. Hinzu kommen „asynchrone, verdauerte Einweg-Kommunikationsprozesse“ die mit dem „Konzept der Transkriptivität“ untersucht werden.
  2. Politische Forschungsfelder konzentrieren sich hier auf „Formen der medial vermittelten Generierung politischer Öffentlichkeit und deren Auswirkungen auf die demokratische Organisation des Gemeinwesens.“ Die räumliche Komponente wie des nationalstaatliche Netzwerk interessiert bei den politischen Kommunikationsanalysen. Differenziert wird die Politik zunächst in die Dimensionen (a) Polity, (b) Politics und (c) Policy. Rollen spielen die „Mehrebenenarchitektur des Politischen“ und die „Glokalisierung“. Im Detail werden (a) Vorstellungen die Networking betrffen wie „network of networks“ anstelle eines einheitlichen transnationalen Raumes gesetzt. (b) Das Networking von – neuen – Medien und Politik ist ebenso Thema wie (c) die Verlagerung zu globalen statt lokalen Akteuren von der staatlichen über die Co-Regulierung hin zur Selbstregulierung.
  3. Die Technographie der Fernerkundung befasst sich mit „Entwicklung, Installation und Einrichtung technosozialer Systeme in dem strategisch- und sicherheitsrelevanten Bereich der Geosurveillance“ und zielt ab auf die die „Praktiken und Mechanismen für die Herausbildung neuer Institutionen und Standards“. Akteur ist dabei das ZESS und seine Partner. – Es handelt sich aus meiner Sicht um eine Untersuchung des Networkings der Fachbereich 3 und 5 sowie der Research School „Science and Engineering“. Der Networker oder Intermediär heißt deshalb Technographie der Fernerkundung
  4. medieninformatische Forschungsfelder knüpfen an die Technographie der Fernerkundung an. Schlagworte lassen sich in drei Kategorien einteilen. (a) Mobile Akteure sind verbunden mittels ambient, mibile, und ubiquitous Computing. (b) Statische Akteure sind vernetzt durch ortsbezogene, kontextintensive Anwendungen. (c) Social Networker sind vernetzt durch Urban Informatics und Community Informatics, deren Teil wir online sind oder sein können.

Lange Rede kurzer Sinn: Folgende Stellen werden angeboten:

  • 8 Promotionsstipendien (Kulturwissenschaften)
  • 3 Promotionsstipendien (Informatik)
  • 1 Postdoktorand/inn/enstipendium (Kulturwissenschaften)
  • 1 Postdoktorand/inn/enstipendium (Techniksoziologie)

Dieser Artikel ist übrigens weider einmal das Resultat von Networking. Der Leiter des Projektes schickte mir den Link und bat mich die Ausschreibung zu zirkulieren.

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1 Kommentar

  1. […] System – in der technischen Terminologie dieses Blogs, müsste es Netzwerk heißen – kommt die Angelegenheit nahe, wenn es um die Einordnung […]


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