Verbesserung des Networkings durch Redundanz

Das ist vielleicht eine der bekanntesten Strategien, die insbesondere aus der Werbebranche bekannt ist: Redundanz schafft Wahrheit. Aber Werbung ist eben auch nur eine Form der Information.

Sie zielt nicht zuletzt darauf ab eine mehr oder minder nachhaltige Verbindung aufzubauen. Abgesehen von gelegentlichen strukturellen Besonderheiten, die Werbung und Information trennen, lassen sich die beiden durch die Differenzierung anhand der Redundanz trennen. Die Redundanz in zeitlicher Hinsicht oder Aktualität trennt dabei die Werbung von der Information: JETZT ist ein neues Angebot entstanden. Bei letzterer sollte zumindest ein neuer Kanal, ein neues Medium oder eine neue Webseite verwendet werden, die Struktur der Nachricht wird stets verändert – zumindest durch ein neues Medienfirmenlabel. So wird etwa ein Text umgeschrieben für Radio, Fernsehen, Internet oder Print, hat jedoch die gleiche Referenz – etwa dpa.

Allerdings sind Werbung und Information nicht immer zu trennen. Virale Kampagnen nehmen im Internet – genauer in der Blogosphere – ihren Lauf und schaffen es schon mal die traditionellen Massenmedien postmodern an der Nase herumzuführen. Doch das ist eine moderne Geschichte, die fortführt, was klassische Kunst begonnen hat.

Beispiel: BMBF/VDI-Verlagshaus der Europäischen Union/EU

Ein Beispiel, wie Internetinformationen in Berichtform und mit Linklilste werben, gibt eine Seite von Kooperation International. Sie gibt die Quelle der Informationen an und der Link führt auf eine weitere Nachricht über CORDIS mit weiteren Informationen. Diese haben ebenso wie der Link vorher die Überschrift Informationen und die Unterüberschrift Einrichtungen. Von diesen Seiten führt ein externer Link zur Quelle oder dem Referenten namens CORDIS, beziehungsweise der entsprechenden Information auf der Seite.

CORDIS berichtet über die Forschung und Entwicklung, auch bekannt unter dem Kürzel F&E, beziehungsweise R&D, sowie die Möglichkeiten der Nutzung der Ergebnisse von F&E. Kooperation International berichtet über Berichte von Forschungsberichten. Das zielt darauf ab, die Unternehmen und die Gesellschaft der so genannten Gemeinschaft zu fördern – sprich Networking bekannt zu machen. Initiator ist das Amt für Veröffentlichungen der EU, das im Prinzip das Verlagshaus der EU ist.

Da kein exklusiver Zugang zu den Informationen für Akteure der EU vorhanden ist – zumindest nicht für die oberste Schicht von Informationen – ist es durchaus sinnvoll, dass die Unternehmung CORDIS sich als F&E-Informationsdienst der Gemeinschaft bezeichnet. Gemeinschaft bedeutet ferner der Anteil der Menschheit, der etwa im Internet Zugang zu diesen Informationen hat. Zugang bedeutet über die technischen Anteile (Post, Internet) hinaus, dass die entsprechenden Kulturtechniken oder Softskills wie lesen – in einer der sechs zur Verfügung stehenden Sprachen – und Bedienen eines vernetzten Computers von jenen Menschen, die Teil der Gemeinschaft sind, beherrscht werden.

Wie kam es soweit? Ein E-Mail-Newsletter informiert mich über diese obige Seite, die als Ausgangspunkt zum Beispiel diente. Dabei handelt es sich nicht um so genannte unerwünschte Werbung oder SPAM, da ich diesen zuvor abonnieren musste. Eine ähnliche Änderung des Datenschutzes steht bevor und sollte eigentlich kein Problem werden, obwohl sie für den echten User im Prinzip nutzlos ist, weil seine Daten ohnehin ins Netz gegangen sind. Das Novum bedeutet lediglich eine Verschiebung der Entscheidung, ob Werbung oder Information empfangen wird zum Einzelnen. Und wer wird schon Werbung abonnieren!?

Information wird zur Werbung

Die Schwelle zur profanen Werbung wird meist erst überschritten, wenn diese F&E durch Unternehmen für Verbraucher zugänglich gemacht werden soll und mit einer Marke in Verbindung gebracht wird, die einen Teil dieser Entwicklungen sicherlich als Alleinstellungsmerkmal in dieser speziellen Form der Information verbreitet. Insbesondere, wenn diese Information an eine weitere spezielle Form der Information gekoppelt ist, die als Unterhaltung von den anderen unterschieden wird.

Die Unterhaltung könnte als Störungen der Informationen beschrieben werden, dennoch ist meist das Gegenteil der Fall. Das Internet und Unternehmen sehen dies anders als Konsumenten. Unternehmen werden heutzutage zu den skurrilsten Überwachungstechniken genötigt, um etwa Mitarbeiter von Unterhaltung während der Arbeitszeit abzuhalten, während Privatmenschen dringend geschützt werden müssen vor unerwünschter Information durch Datenschutz. Vielleicht könnte ein Privatsekretär Abhilfe schaffen.

Grenzen digitalisieren

Den Datenschützern fast schon zum Trotz veröffentlichen jeden Tag mehr und mehr Menschen ihre zu schützenden Daten im Internet und bewerben sich etwa Online oder gar über Plattformen.

Womit vielleicht ein wichtiger Aspekt für Bewerber deutlich wird: Die Redundanz der Bewerbung führt zum erfolgreichen Networking mit einem Unternehmen. Die Differenzierung der Redundanz gibt Aufschluss. Obwohl es möglich ist, sich bei einem Unternehmen mehrmals zu bewerben – das wäre die Werbestrategie, die auf viele Kontakte durch Redundanz aus ist -, könnte es durchaus sinnvoller zu sein, die Informationsstrategie zu nutzen und mehrere verschiedene Medien zur Redundanz zu nutzen, die es dem Unternehmen ermöglich sich zu informieren, wenn und wie es ihnen beliebt. Wobei gelegentlich Impulse gegeben werden, sie genauer damit zu beschäftigen.

State of the Art Werbestrategien nutzen genau diese Informationsstrategie – Werbung wird letztlich durch die Interessen des Nutzers von Information unterschieden und wird dabei gelegentlich negativ normiert. Auch Unterhaltung wird nicht zuletzt zur Profitoptimierung genauso vertrieben wie Information und Werbung – hierbei unterscheiden insbesondere die Ausgaben und Einnahmen die Kategorien auf Seiten der Akteure, je nach deren Positionierung im Markt/Netzwerk (etwa Werbebranche, Medienbranche, werbetreibende Akteure, Konsumenten).

So wird Werbung negativ von Verbrauchern oder deren Schützern konnotiert, während insbesondere Negativschlagzeilen aus Sicht der Medienunternehmen besonders wichtig sind: Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Skandale treiben die Auflage in die Höhe. Nicht von ungefähr ist die Yellowpress, die vorallem über Buzz/Klatsch berichtet, wohl weltweit die auflagenstärkste. Die Grenzen zur Unterhaltung werden genau in diesem Bereich undeutlich. Soapoperas dienen im Prinzip dem gleichen Informationsbedürfnis: Wie verhalten sich Menschen heute? Welche Moral ist aktuell? Wie weit kann die Unterhaltung die Grenze zum Skandal – der Unterhaltung zur Information werden ließe – dehnen?

Die Entwicklung oder besser die Veränderung schreitet fort. Inzwischen ist die Celebrity in Amerika nicht mehr „Famous“, weil sie gewisse Moralvorstellungen vertritt, sondern „Infamous“, weil sie mit diesen bricht. Die Hip Hoper oder Celebrities Real und Chance zeigen neue Wege zur Liebe auf mit ihrer Show „Real Chance of Love: Full Episode 4- Who Wants to Be a Stallionaire„. Eigentlich nichts weiter als eine geringfügige Reinterpretation von American Idol oder Deutschland sucht den Superstar, rutscht diese Show doch grenzwertiger in Richtung Skandal wie Big Brother. Natürlich lassen sich die Skandälchen auch auf des Senders eigenem Bolg nachverfolgen. Denn was für die Schönen und Reichen gilt, muss noch lange nicht für jedermann gelten. Ein gutes Beispiel für die erfolgreiche Verknüpfung von Unterhaltung und Werbung gibt Heidi Klum mit ihren Topmodel shows in Deutschland und in Amerika.

Networking versus Info, Unterhaltung und Werbung

Gutes Networking versteht es demnach Redundant zu werden, ohne aufdringlich zu sein und ohne einen Skandal zu erzeugen.

Die Verlagerung der Aktionsmöglichkeit zur Interaktion über asynchrone Kommunikation (etwa schriftlich statt mündlich) und die Bereitstellung der Daten an einem mehr oder minder (etwa passwortgeschützt) öffentlich zugänglichen Ort sind Maßnahmen, um unaufdringlich zu networken. Sie müssen nicht wahrgenommen werden und darin liegt zugleich ihr Problem.

Der Wille des Beworbenen muss quasi vorliegen in Form eines Klicks auf einer Webseite, einer Stellenausschreibung, einer Suchanzeige oder eines Häckchens auf einem Blatt. Asynchrone Kommunikation erhöht Redundanz, insbesondere durch Teilnahme auf verschiedenen Plattformen (Blogs, Social-Networking, Alumni, Vereine, Gemeinschaften) und trägt zu einer Transparenz bei, die nur vermeintlich der Isolation der Moderne entgegengesetzt wirkt und hin zu einer Global Village führt. Dort treffen wir den Nachbarn öfter digital und lernen ihn dort gegebenenfalls genauer kennen als durch die Begegnung auf dem Gang – aber eben nur, wenn wir uns bewegen ohne vom Fleck zu kommen.

Wie lange wird es wohl dauern, bis die digitale Visitenkarte so wichtig ist wie die aus Papier? Etwa solange, bis die Nutzer die Möglichkeiten von heute konsequent einsetzen, sprich eine oder zwei Generationen. Doch unter dem Aspekt der Redundanz handelt es sich bei der zu erwartenden Veränderung nicht um eine (qualitative und quantitative) Verdrängung  sondern um eine (vielmehr quantitative) Verlagerung von mehrmals im Zuge der Glokalisierung übersetzten Akteuren, die beim Networking eine Rolle spielen.

Was ist dann sehr gutes Networking?

Es wäre wohl als eine Mischung, ein Hybrid zu verstehen, der einerseits obige Regeln beachtet, sie aber zugleich strategisch bricht, um sich zu unterscheiden. Das oben erschienene Problem wird genau durch die Erzeugung eines solchen Bruchs bewältigt, der etwa Redundanz ohne eigenes Zutun ermöglicht.

Die gelegentlich statuierte Angleichung der Akteure weltweit reflektiert sich im Licht der Glokalisierung/Glocalization als Unterschied. Eine homogenisierende Bewegung, die wegen etwa kulturellen Brüchen zu heterogenen Akteuren führt.

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3 Kommentare

  1. […] eine neue Art der Mutlimediaerzählung mit sich gebracht, die in Richtung “echtes” Reality TV geht. Die Berichterstattung über soziale Belange erhält Einzug in die Massenmedien, d.h. was […]

  2. […] nachhaltige Vernetzung der Rezipienten mit einem Automodell funktioniert etwa durch den Zutritt zu kostenlosen Konzerten […]

  3. […] es ein Werbebild oder hat die Information den Schritt zur Werbung durch Iteration geschafft? Der Chronicle gibt an, dass beide Bilder von der Associated Press stammen. Den […]


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