Houston mobilisiert gegen die Angriffe auf Gaza

Bereits am Sonntag fand die erste Demonstration gegen die Angriffe Israels auf den Gazastreifen in Houston mit etwa 600 Partizipanten unter dem Motto stoppt den Völkermord statt.

Heute geht der Protest in die zweite Runde. Vor der israelischen Botschaft und am Highway wird kommuniziert, was irritiert. Wie die Protestanten die Lage einschätzen und wie die USA mit der Angelegenheit vernetzt ist, verdeutlichen deren Plakate:

  1. STOP THE GENOCIDE ON GAZA
  2. ISRAEL KILLED 200 IN ONE DAY
  3. STOP ISRAELI CRUELTY
  4. US/UN–STOP ISRAEL
  5. GAZA SUFFERS–FREE PALESTINE
  6. FREE GAZA.ORG
  7. ISRAEL-WE WANT OUR MONEY BACK
  8. ISRAEL BRUTALIZES WITH OUR TAX MONEY
  9. STOP FUNDING ISRAEL APARTHEID
  10. WAKE UP U.S.A.

Wann wird Frieden ohne Waffen möglich sein? Nicht solange Waffen für den Frieden produziert werden und Staatspartnerschaften mit Exklusivverträgen zur Waffenlieferung bestehen wie zwischen USA und Israel. Seit 1967 fordert der Konflikt um den Gazastreifen seine Opfer. Weltanschauungen prallen dabei kontinuierlich aufeinander und fordern ihren Grund und Boden. Dabei handelt es sich neben jüdischen-islamischen auch um christliche-islamische und islamisch-islamische Auseinandersetzungen.

Der erneute Einsatz von Waffengewalt statt Diskurs auf staatlichem Niveau stellt einen groben Rückschritt in der Völkerverständigung dar. Im Prinzip erkennt Israel die Hamas durch den Angriff auf den Gazastreifen als Regierung an, indem sie den Gazastreifen und dessen Bevölkerung als deren Regierungsgebiet bekämpft.

Wie wird diese Auseinandersetzung wahrgenommen und welche Folgen sind wahrscheinlich? CRI (Radio China International) will die Völkerverständigung – die mit Chinas Nachbarn wie Tibet 2008 ebenfalls Krisenhafte Gestalt annahm – durch Kommunikation und Übersetzung der Webseite in 52 Sprachen sowie Radiosendungen in 38 Sprachen voranbringen. Somit handelt es sich im Sinne des anthropologischen Networkings um ein beispielhaftes Medienprojekt. Es problematisiert die erneute Eskalation von Gewalt im Gazastreifen auf drei Ebenen:

  1. Die Sicherheit der Region wird unter Anbetracht der bevorstehenden Führungswechsel der Autonomieregierung in Palästina und der bereits angekündigten Einstellung der Friedensgespräche durch die Militäraktion eher verschlechtert als verbessert.
  2. Die Verbesserung der Beziehungen zwischen der arabischen Welt und Israel – das bekanntlich eng mit Akteuren der westlichen Welt verbunden ist – werden komplizierter. Die Bemühungen der Aussöhnung Israels mit seinen arabischen Nachbarn, Jordanien und Ägypten an erster Stelle, werden untergraben.
  3. In der Israelischen Regierung – und Bevölkerung – herrscht keine Einstimmigkeit für die Angriffe.

Radikale erhalten regelmäßig Unterstützung durch Opfer und deren Leid. So werden Feindbilder nicht nur gezeichnet sondern realisiert wie im Falle der Hisbollah vor zwei Jahren, die im Endeffekt als Gewinner aus dem Kampf gegen Israel hervorging und steigende Mitgliedszahlen verzeichnet.

Die Erkenntnis die Der Spiegel aus asymmetrischer Kriegsführung zieht, ist offensichtlich noch nicht sehr populär in Krisengebieten. „Wenn der militärisch schwächere, irreguläre Kontrahent überlebt, dann ist es sein Triumph.“ Dies scheinen zumindest die Israelischen Intellektuellen erkannt zu haben und kritisieren die Maßnahmen ihrer Regierung.

Die Medien im Krisengebiet glänzen dem Bericht des Deutschlandfunks zufolge durch einseitige Berichterstattung und die Politik nutzt den Krieg als Propaganda.

Der Annapolis Prozess wird innerhalb weniger Tage mit aller Gewalt zu Nichte gemacht, Steinmeier fasste diesen folgendermaßen zusammen:

  1. Es geht um die direkte Substanzverhandlung der Parteien.
  2. Es geht um die Geschlossenheit der sie unterstützenden Staaten.
  3. Und es geht um die sofortige und parallele Stabilisierung der Lage in den palästinensischen Gebieten.

Ob die heutige Konferenz der Außenminister in Paris die nun begonnene Vernichtung des Fortschritts im Frieden stoppen kann, bleibt fraglich. So spiegeln sich die internationalen Bemühungen zum nachträglichen Networking für den Frieden im Newsletter des Auswärtigen Amts wieder. Die Telefonate des deutschen Außenministers mit den Proponenten der Gegner haben bisher noch keine Wirkung gezeigt, es wird weiter gebombt. Sie sind aber ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch ein später.

Wenn Vergebung die Sache der Starken wäre, käme es auf Waffen nicht an. Doch die Moderne zeigte, das Waffen und die Fähigkeit zur Auslöschung des als feindlich eingestuften Lebens allzu leicht als Stärke oder Macht interpretiert werden und doch nicht erfolgreich gegen materialisierte Ideen oder laut Der Spiegel Dual-Use-Produkte (Definiert als Entität wie die Hamas mit einerseits wohltätiger/philanthropischer oder ziviler und andererseits tödlicher/menschenverachtender oder militärischer Komponente) eingesetzt werden können. So fordert die Spirale der Gewalt Opfer für Opfer.

Das kollektive Gedächtnis der Menschheit ist bis heute nicht an dem Punkt angelangt, dass Völkermord keine Lösung für ideologische Probleme ist und die Medien – insbesondere dort wo sie als Vermittler zwischen den Fronten dienen könnten – sind weit davon entfernt Aufklärung zu fördern, indem sie verschiedene Standpunkte grenzüberschreitend bereitstellten und gegenseitiges Verständnis fördern könnten.

Austragungsort für ideologische Gefechte sollte der runde Tisch sein und nicht das ‚Leben von Zivilisten‘. Dieses einfache Kommunikations-Konzept zum Networking erweist sich wiedereinmal als komplizierter im Feldeinsatz als jede Waffentechnik, die gegen die Zusammenführung und Aussöhnung von Netzwerken zielt, vielleicht weil sie keinen – im Idealfall grenzüberschreitenden – Konsens erfordert. Weder seitens der Demokratie noch seitens der Terroristen werden die Medien anders genutzt als Waffen.

Anders wäre die Medien zum Meinungsaustausch und nicht zur Meinungsmache zu nutzen. Aber vielleicht ist es mit leerem Magen schlicht und einfach unmöglich klar zu denken, einen Text oder eine andere Meinung zu verstehen und zu akzeptieren, um sich zu mäßigen.

Die Ziele der Hamasangriffe waren und sind undefiniert und Terror gegen Zivilisten. Die Ziele der ‚demokratischen‘ Rache sind neben Schmugglertunneln – für Waffen – und Wohnhäusern – für Terroristen – entsprechend geistig: Moscheen – als Waffenlager – und Universitäten – als Ausbildungsstätten für Terroristen.

Der Feind ist also überall oder kann überall hinein argumentiert werden und der Krieg bis zum bitteren Ende wurde wiedereinmal erklärt. Terror erzeugt Gegeterror. Fraglich ist stets, für wen es bitter wird – die Demokratie(-n) oder die von den Verhandlungstischen ausgeschlossene und sie bedrohende Terrorgruppe(-n). Statt sich des Feindes zu entledigen, bombt sich die Demokratie  zunehmend die eigene Legitimation mit einer der ‚besten Kriegsmaschinerien‘ weg, indem dem sie Blutbäder mit (größeren oder ‚effizienteren‘!?) Blutbädern beantwortet.

Sollte eine Demokratie nicht ihre Feinde auzusöhnen vermögen, indem sie diese lehrt sich an Tischen zu lokalisieren und mit Worten zu artikulieren? Dann wäre ein integrativer Ansatz auf lange Sicht wohl effektiver, der das in Gewalt endende Networking durch Dual-Use-Produkte obsolet machte. Es ist allerdings traurig, wenn der Tisch wieder im Keller stehen muss, weil es von beiden Seiten Bomben hagelt, da sie sich sukzessive abgeschottet haben und das Verständnis durch Mauern ersetzten.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt noch keine Kommentare.

Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s