Networking der deutschen Forschung

Heute startet die Analyse der deutschen Wissenschaft Seitens des Außwärtigen Amts. Auf den Webseiten zu dieser Initiative lässt sich bereits ein globales Akteur-Netzwerk erkennen. Wie die weltweit verstreuten Akteure in ein Netzwerk gegossen werden beschreibt dieser Artikel.

Dieses Netzwerk besteht etwa aus 20,000 Kooperationsvereinbarungen mit 4000 Partneruniversitäten in 140 Ländern schreibt das Außwärtige Amt. Ausgehend von 248 (oder 377) deutschen Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten wären das im Durchschnitt 16 (10-11) pro Akteur. Doch wie konnte es so weit kommen?

Networking des Bologna Prozesses

Als eine Triebfeder der Internationalisierung der deutschen Universitätslandschaft gilt der Bologna Prozess. Die umstrittene Umstellung der Diplomstudiengänge auf Bachelor/Master ist ein Teil dieses Prozesses, der zu einer European Higher Education Area (EHEA) führen soll. Er bezeichnet das Networking von 46 Ländern und 9 Mitgliedern, die ihrerseits starken Netzwerkcharakter haben. Es sind überwiegend Vereinigungen/Associations und Unionen sowie die Europäische Komission.

Ein damit verbundenes Netzwerk arbeitet für die Internationalisierung von Akteuren, indem es hilft, die entsprechenden Akteure zur Anerkennung der Leistung in anderen Ländern ausfindig zu machen. Eine interaktive Liste gibt Auskunft über Rechtliches und Hintergünde des Netzwerkes.

Um die grenzüberschreitende Anerkennung zu vereinfachen werden Standardisierungen vorgenommen, die im Rahmen des Prozesses ausgearbeitet werden. Das einzige rechtlich verbindliche Werk ist die Lissabon Konvention, die von UNESCO/ und Council of Europe ausgearbeitet wurde. Diese „Convention on the Recognition of Qualifications“ wurde von Repräsentanten vieler europäischer Staaten auf der Veranstaltung vom 8 – 11 April 1997 in Lissabon unterzeichnet.

Instrumente des Networkings der deutschen Forschung

Die vom Auswärtigen Amt als Instrumente bezeichneten Akteure sind: DFG, MPG, DAAD und Firmen mit starker Forschungsausrichtung sowie Außenstellen deutscher Universitäten. Diese sollen nun in weltweit verteilten „German Houses of Science and Innovation“ materiell vernetzt werden.

Ein Konzept, das nicht ganz neu ist. Bereits aus der Zusammenarbeit von Wirtschaft-Banken-Politik entstand eine anscheinend erfolgreiche Bündelung der „Kräfte der Wirtschaftsförderung“. Der Name dieses Networkings ist sage und schreibe: German Center. Spitzenorganisationen der Wirtschaft (BDI, VDMA, DIHK) und Akteure der Wirtschaft agieren so aus einer Art Troijanischem Pferd, das diesen ein sicheres Zuhause in unsicheren Wachstumsmärkten bietet, um global zu expandieren. Ein Synonym für German Center ist Deutsche Industrie- und Handelszentren (DIHZ).

Insofern liegt es nahe, DIFZ als Kürzel für die wissenschaftliche Materialisierung des Networkings zu wählen: Deutsche Industrie und Forschungszentren. Wobei das I wahlweise als Innovation übersetzt werden könnte.

Die multimediale Vernetzung der Initiativen mit den Akteuren wird von der DFG mittels Videoportalen bewerkstelligt. So entsteht ein Internet-Videoportal zur Exzellenzinitiative und DFG Science TV geht in die zweite Runde nach dem Start 2008. Der Vorteil dieses mutimedialen Ansatzes liegt darin, dass nicht nur Medien sondern auch dezentrale Informationen zusammengeführt werden. Doch verschieben sich hierbei Grenzen.

Netzwerke durch Networking formen

Wie werden Netzwerke geformt? Man nehme Akteure und verbinde diese. Im vorliegenden Fall handelt es sich um die Politik und die Wissenschaft.

Diese sind Netzwerke, die im letzteren Fall aus Universitäten bestehen, die sich aus Fachbereichen zusammensetzen, die an konkreten Orten ihre Räumlichkeiten haben, in denen Wissenschaftler Studenten in dieses Netzwerk einweihen.

Im ersten Fall handelt es sich um die deutsche Politik, die sich international in eine Netzwerk namens EU integriert hat – Ich bleibe hier etwas abstrakter als im obigen Beispiel und beziehe mich nur auf für das Beispiel relevante Akteure. Die EU kann zunächst als Networking von Staaten bezeichnet werden. Dieses wird durch eine Angleichung, Standardisierung von Akteuren – Institutionen und ferner Prozessen sowie Artefakten wie Formularen – erreicht. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein Phänomen, das andernorts als Glokalisierung beschrieben wird.

Die Glokalisierung nimmt ihren Lauf durch typisches Networking: Eine Konferenz auf der ein Programm unterzeichnet wird. Das Programm wird anhand eines rechtlichen Papieres/Vertrags als umsetzungswürdig identifiziert und anerkannt durch die Unterschrift von Repräsentanten. Das Papier wurde von zwei Networkern ausgearbeitet, die ihrerseits Netzwerke sind und somit Informationen aus verscheidenen Orten an einem Ort schriftlich fixieren können, wodurch die Idee verbreitet werden kann.

Die Staaten, deren Repräsentanten sich in Lissabon unterworfen haben beginnen mittels entsprechenden Instiutionen/Akteuren die Programme zu implementieren. Studenten revoltieren zwar, können sich dem Druck ihrer zu standardisierenden Lehre jedoch nicht entziehen – die Probleme der Neuzeit, für die sie ausgebildet werden, fordern dies.

Das Universitäre System wird umgeschrieben, formatiert, reformiert. Die Studenten können sich nun international austauschen, sind aber auch – vermeintlich – austauschbarer geworden. Wie sich zeigt, müssen Programme  geschaffen werden, um der internationalen Fluktuation des Wissens entgegenzuwirken. Diesmal ohne Mauer wie in der DDR, beziehungsweise durch distribuierte Mauern, die der paradoxen Aufgabe dienen Wissen dezentral zu lokalisieren. Ein Wissensmagnet mit verschiedenen Gravitationspunkten/DIHZ/DIFZ, die dezentral sind und doch als Schnittstellen zu einem Netzwerk führen, soll entstehen.

Dank modernster multimedialer Strategien können die dezentralen Interfaces – kulturell kodiert – implizit zur Stärkung des Urhebernetzwerks beitragen. Das impliziert der statuierte Erfolg von DFG Science TV, der auch auf internationaler Ebene fortgesetzt werden kann.

Eine Einrichtung, die graduierte Studenten in Wissenschaftler umzuwandeln vermag, indem sie Wissenschaftlern ermöglicht diese in temporäre Netzwerke/Forschungsprojekte einzubinden, muss dabei allerdings vom Koordinateur und Finanzverwalter für Wissenschaftler zum Kommunikateur oder Medienunternehmen erweitert werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender kommen dem spezifischen Informationsbedarf anscheinend nicht mehr nach.

Zudem hilft audiovisuelle Kommunikation allgemeinverständlich zu legitimieren. Die fragmentierte Hypertextinformation wird in einer zusammenhängenden Narration zeitgemäß – unter Einsatz weit verbreiteter Akteure wie Videokameras und Internet – gebündelt.

Die Akteure in ein Netzwerk gießen bedeutet, dass Materialisierungen – oft mit Beton – von Netzwerkschnittstellen vorgenommen werden. Diese dienen als exportierbare Artefakte – geronnene Arbeit -, die erlauben Informationen für ein Netzwerk zu erhalten. Dieser Prozess könnte auch eine M&A (Merger and Aquisition), Fusion oder Übernahme sein.

So entsteht implzit ein News Network, das gewissermaßen den internationalen Mediennetzwerken ähnelt. News wird hier allerdings intern generiert – wie in einem Filmstudio. Diese Differenz schlägt sich in der Dichotomie von Realtität und Fiktion nieder. Science-Fiction wird nun real, indem es wirtschaftlich oder besser bruttosozial umgesetzt wird.

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4 Kommentare

  1. […] Networking der deutschen Forschung […]

  2. […] Networking der deutschen Forschung Es wurde bereits berichtet, dass die Politik sich dem Networking der deutschen Forschung annahm. Kooperation International verbreitet heute Informationen des Internationalen Büros des […]

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